Herbst 2002 
 
Betriebsfaktor Mensch
Firma Anton Uhlenbrock setzt auf Motivation, Partnerschaft, Spaß an der Arbeit

STEINFURT * "Manche Unternehmer sind dumm", meint Hubert Uhlenbrock und meldet damit keineswegs Zweifel an der Proffessionalität seiner Kollegen an.
Vielmehr bedauert er, dass in vielen Betrieben deren wichtigstes Potenzial häufig ungenutzt bleibt: das menschliche. Ganz bewusst aber hat der Unternehmer die Weichen seiner Firma anders gestellt. Statt neuhochdeutschen Begriffen wie "Controlling", "Workflow", usw. setzt er auf "alte" Werte wie Motivation, Partnerschaft, Dialog, Spaß an der Arbeit.
Uhlenbrocks Grundsatz: "Am Anfang steht der Mensch".

Grundsätze

Dass mit dieser Haltung nicht sozialpädagogische Ziele verfolgt werden sollen, sondern Gewinn und Wachstum des Unternehmens, steht für ihn außer Frage. Auch dies: "Es muß einen geben, der die Entscheidungen trifft".
In all den Jahren seines unternehmerischen Handelns aber hat er erkannt, dass der wirtschaftliche Erfolg nicht nur von der Zufriedenheit der Kunden, sondern auch von der der Mitarbeiter abhängig ist. Ein Indiz für die offene "Firmen-Kultur" im Hause Uhlenbrock im Borghorster Gewerbegebiet Ostendorf ist neben der Tatsache, dass Mitarbeiter ganz unterschiedlicher Nationalitäten (Portugal, Brasilien, Türkei) für ein buntes Bild im Betrieb sorgen, auch der Umstand, dass die Familie dort fest integriert ist: neben dem 70 jährigen Vater und Firmengründer Anton Uhlenbrock gehören auch drei Schwestern zur Belegschaft. Hund "Tups" inklusive.
Die Familie besitzt für den Vater von drei Kindern (25,20,18) ohnehin einen hohen Stellenwert. So ist auch der Einfluß seiner Frau, einer Portugiesin, auf die Dinge im Betrieb durchaus gewollt. Und der beschränkt sich keineswegs auf die zahlreichen Bilder an der Wand, die er von den zahlreichen Aufenthalten in der Heimat seiner Frau mitgebracht hat. Vielleicht ist es auch dieser familiäre Impuls, der dem Klima des münsterländischen Betriebes mitunter durchaus südliche Züge verleiht. Wenn sich zum Beispiel nach anstrengender Sitzung oder Arbeiten alle gemeinsam aufmachen zum Essen, zum Fado-Abend: Chef, Mitarbeiter, Kunden und Familienmitglieder. Seit einiger Zeit gehören halbjährliche Treffen in "großer Besetzung" zu einem Schwerpunktthema aus der Industrie zum Firmen-Profil.
Aber nicht nur in dieser Hinsicht hat Uhlenbrock strukturelle Akzente gesetzt. Seitdem der gelernte "Elektromaschinenbaumeister" 1983 die Regie des Unternehmens übernahm, hat dies immer Veränderungen erfahren. Nicht nur in dieser Hinsicht ist "Innovation" einer der drei Kernkompetenzen der Firma, außerdem noch "Schnelligkeit" und "Flexibilität".
In den 20 Jahren hat sich der Betrieb, den der Vater 1954 als "Anker-Wickelei" an der Kettler-Straße startete, stetig weiterentwickelt. Auch wenn so mancher Einheimische, der nach wie vor seine privaten Einkäufe wie Hammer, Schrauber usw. bei Uhlen erledigt, kaum vermutet, was sich hinter der "Ladentür" verbirgt: Vom kleinsten Keilriemen bis zu Riesen-Motoren oder Pumpen - Uhlenbrock lagert alles ein, was seine Kunden bei Bedarf benötigen. Die ganze Welt der Antriebstechnik ist in Ostendorf präsent. Dabei regelt die Firma sowohl den Verkauf als auch Reparatur und Wartung. "Und wenn der Kunde es will, liefern wir auch Toilettenbürsten", betont Hubert Uhlenbrock, dass man auch in dieser Hinsicht flexibel sei. Dazu gehört auch der 24-Stunden-Service: Jeder der insgesamt 40 Mitarbeiter ist bereit, den Kunden im Notfall zu unterstützen. Für prompte Erledigung der Aufträge gibt die Firma ihren Kunden im In- und Ausland Garantie. Dazu gehören Brauereien, Entsorgungsunternehmen usw., - natürlich die regional Textilindustrie.
Die aktuelle gesamtwirtschaftliche Situation aber bereitet Uhlenbrock einige Sorgenfalten. Schließlich bleiben Probleme eines Kunden auch auf die Firma Anton Uhlenbrock nicht ohne Wirkung.
Jetzt in Pessimismus zu verfallen, ist allerdings nicht das Ding des Viel-Schaffers Uhlenbrock, der nach dem Tagesgeschäft im Betrieb noch oft bis spät in die Nacht Bürostunden einlegt, dort immer wieder neue Ideen und Visionen entwickelt und anschließend im Team bespricht. Gegen mögliche "Betriebs-Blindheit" hat er ein wirksames Korrektiv: Externe Berater, die immer wieder von außen einen Blick nach innen werfen.
Zu den jüngsten Plänen gehören neben dem Wunsch nach Expansion am jetzigem Standort vor allem die Premiere auf der Hannover-Messe im kommenden Jahr.
Und 2004 liegt dann noch das 50-jährige Jubeläum an. Hier hat sich das Team mehrheitlich gegen große und kostenträchtige Feierlichkeiten ausgesprochen, will das Geld lieber für den Betrieb "Sparen". Ein Prinzip, das Uhlenbrock auch für sich privat gewählt hat: "Der Gewinn der nächsten 10 Jahre muss komplett in der Firma bleiben."
Perspektiven

Und wann wird es mal ruhiger? im Moment ist dies für den 46-Jährigen kein Thema, ist selbst im Urlaub das Notizbuch sein ständiger Begleiter. Schon jetzt ist aber absehbar, dass der Sohn die Neigung von Großvater und Vater geerbt hat. Bis der soweit ist, tatsächlich die Nachfolge anzutreten, das dauert mindestens noch 10 Jahre, vermutet Hubert Uhlenbrock. Ob damit dann auch zwangsläufig der Ausstieg des Seniors verbunden ist, mag er jetzt aber noch kaum glauben. Der Langzeiturlaub an der portugiesischen Küste, den er seiner Frau versprochen hat, wird wohl noch warten müssen...